Migrationsprüfung: Sicherstellung der Produktsicherheit durch Verpackungstests
Was versteht man unter Migrationsprüfung? Die Migrationsprüfung ist ein vorgeschriebenes analytisches Verfahren zur Bewertung von Verpackungsmaterialien hinsichtlich der möglichen Übertragung von Substanzen auf Lebensmittel.
Da einige Materiealien von Verpackungen in direktem Lebensmittelkontakt stehen, besteht die Möglichkeit, dass chemische Verbindungen in das Lebensmittel übergehen. Um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sicherzustellen und höchste Verbrauchersicherheit zu gewährleisten, ist eine umfassende Prüfung dieser Migration unerlässlich. Sie trägt dazu bei, potenzielle Risiken frühzeitig zu identifizieren und die Qualität sowie Unbedenklichkeit von Verpackungsmaterialien zu gewährleisten.
Warum ist die Migrationsprüfung wichtig?
Schutz der Verbraucher:
Die Migrationsprüfung spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz der Verbraucher, da sie sicherstellt, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe aus Verpackungsmaterialien in Lebensmittel übergehen. Chemische Substanzen, die in Verpackungen enthalten sind, können unter bestimmten Bedingungen freigesetzt werden und somit potenziell gesundheitliche Risiken darstellen. Durch die Prüfung wird sichergestellt, dass die Migration solcher Stoffe innerhalb sicherer Grenzwerte bleibt.
Einhaltung gesetzlicher Vorgaben:
In der Europäischen Union unterliegt die Migration von Stoffen aus Lebensmittelkontaktmaterialien strengen gesetzlichen Vorgaben. Verschiedene EU-Verordnungen, wie die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 und die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für Kunststoffe, legen spezifische Grenzwerte für migrierende Substanzen fest. Die regelmäßige Überprüfung der Migration stellt sicher, dass Unternehmen diese gesetzlichen Anforderungen erfüllen und rechtliche Konsequenzen vermeiden.
Qualitätskontrolle von Verpackungsmaterialien:
Die Migrationsprüfung dient auch als wichtiger Bestandteil der Qualitätskontrolle von Verpackungsmaterialien. Sie hilft Unternehmen sicherzustellen, dass die verwendeten Materialien den höchsten Standards entsprechen und keine unerwünschten Wechselwirkungen mit dem verpackten Produkt auftreten. Dadurch wird die Produktsicherheit gewährleistet und das Risiko einer Beeinträchtigung von Geschmack, Geruch oder Haltbarkeit des Lebensmittels minimiert.
Vermeidung von Reklamationen und Produktrückrufen:
Eine unzureichende Kontrolle der Migration kann dazu führen, dass schädliche oder unerwünschte Substanzen in Lebensmittel gelangen, was zu Reklamationen oder sogar Produktrückrufen führen kann. Solche Vorfälle können nicht nur hohe Kosten verursachen, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher in die Marke nachhaltig schädigen. Durch eine gründliche Migrationsprüfung lassen sich derartige Risiken minimieren, wodurch Unternehmen sich vor wirtschaftlichen Schäden und Reputationsverlust schützen können.

Unsere Leistungen im Bereich Migrationsprüfung
Die Migrationsprüfung unterteilt sich in verschiedene Verfahren zur Bestimmung der Migration, die je nach Zielsetzung, Art des Verpackungsmaterials und den gesetzlichen Anforderungen eingesetzt werden. Diese Methoden ermöglichen eine detaillierte Analyse darüber, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen Stoffe aus Verpackungsmaterialien in Lebensmittel übergehen können.
Gesamtmigration
Die Gesamtmigration beschreibt die Bestimmung der gesamten Menge an Stoffen, die aus Verpackungsmaterialien in ein Lebensmittel übergehen können. Um eine realitätsnahe Bewertung durchzuführen, werden spezielle Lebensmittelsimulanzien wie 3 % Essigsäure, 10 % Ethanol oder andere standardisierte Lösungen verwendet. Diese Simulanzien ermöglichen es, verschiedene Lebensmittelarten – von wässrigen und sauren bis hin zu fetthaltigen Produkten – zu berücksichtigen.
Die Prüfungen erfolgen unter definierten Bedingungen, die die tatsächliche Nutzung der Verpackung widerspiegeln. Dabei werden Faktoren wie Abfüllprozesse, Lagerdauer und Temperaturverhältnisse simuliert, um sicherzustellen, dass die Migration innerhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte bleibt und keine unerwünschten Stoffe in das Lebensmittel übergehen.
Spezifische Migration
Die spezifische Migration bezieht sich auf die gezielte Analyse einzelner Substanzen, die aus Verpackungsmaterialien, Beschichtungen oder Druckfarben in Lebensmittel übergehen können. Dazu gehören unter anderem Monomere, UV-Stabilisatoren und Photoinitiatoren, die während der Herstellung oder Bedruckung von Verpackungen eingesetzt werden.
Um diese Substanzen präzise nachzuweisen, kommen hochsensible analytische Methoden wie Gaschromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (GC-MS/MS), Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS), Flüssigchromatographie mit Flugzeitmassenspektrometrie (LC-TOF) sowie induktiv gekoppeltes Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) zum Einsatz. Diese Verfahren ermöglichen eine zuverlässige Identifikation und Quantifizierung migrierender Stoffe, sodass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten und potenzielle gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden können.
Migration unter erhöhten Temperaturen (MPPO-Verfahren)
Das MPPO-Verfahren (Modified Polyphenylene Oxide) dient zur Simulation der Langzeitlagerung von Lebensmitteln bei Raumtemperatur und ermöglicht die Bewertung der Migration unter realistischen, aber beschleunigten Bedingungen. Dabei wird geprüft, in welchem Umfang Stoffe aus Verpackungsmaterialien über einen längeren Zeitraum hinweg in das Lebensmittel übertreten können.
Dieses Verfahren ist besonders für trockene Lebensmittelverpackungen relevant, da herkömmliche flüssige Simulanzien hier nicht geeignet wären. Durch die Verwendung von MPPO als Adsorptionsmittel lassen sich migrationsfähige Substanzen zuverlässig erfassen und analysieren, um die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte sicherzustellen und die Sicherheit der Verpackungsmaterialien langfristig zu gewährleisten.

Migrationsprüfung für verschiedene Anwendungsbereiche
Migrationsprüfung für verpackte Lebensmittel
Ein Beispiel für die Untersuchung von Migrationen ist die Analyse der Weichmachermigration aus Kunststoffverpackungen in fetthaltige Lebensmittel wie Käse oder Wurst, die aufgrund ihrer hohen Fettgehalte besonders anfällig für die Aufnahme solcher Stoffe sind.
Zusätzlich wird die Bestimmung von Restlösemitteln oder unerwünschten Zusatzstoffen durchgeführt, um sicherzustellen, dass keine gesundheitsschädlichen Substanzen in das Lebensmittel übertreten. Dies umfasst etwa die Analyse von Lösungsmittelrückständen in bedruckten Verpackungen für Müsliriegel oder Kekse, um die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte und die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten.
Migrationsprüfung für Futtermittel
Bei der Prüfung von Verpackungen für Tiernahrung wird unter anderem die Migration von Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOAH) aus recycelten Papiertüten für Tierfutter analysiert. Diese Untersuchung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Substanzen in das Futter übergehen, die die Gesundheit von Tieren gefährden könnten.
Darüber hinaus wird auch die Migration von Schwermetallen aus Metallbehältern für Nassfutter sowie von Plastikverbindungen aus Beuteln für Trockenfutter untersucht. Diese Tests gewährleisten, dass nur unbedenkliche Materialien mit dem Futter in Kontakt kommen und keine gesundheitsschädlichen Stoffe auf die Tiere übertragen werden.
Migrationsprüfung für Kosmetika
Die Analyse von Verpackungsmaterialien in Kosmetikprodukten ist entscheidend, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Substanzen in die Formulierungen übertreten. Ein Beispiel hierfür ist die Prüfung der Migration von Konservierungsstoffen aus Kunststofftiegeln für Cremes oder Lotionen, um die Unbedenklichkeit der Produkte zu gewährleisten.
Darüber hinaus werden potenziell hautschädliche oder toxische Substanzen untersucht, wie die Freisetzung von Parabenen oder Phthalaten aus Shampooflaschen und Lippenstifthülsen. Diese Tests sind von großer Bedeutung, um Hautirritationen oder hormonelle Wirkungen zu vermeiden und die Sicherheit der Konsumenten zu schützen.
Migrationsprüfung für Pharmazeutika
Die Sicherstellung der Unbedenklichkeit von Medikamentenverpackungen ist von größter Bedeutung, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten. Dies umfasst unter anderem die Überprüfung der Migration von Kunststoffweichmachern aus Blisterverpackungen für Tabletten, um zu verhindern, dass schädliche Substanzen in das Medikament übertreten.
Zusätzlich wird die Wechselwirkung zwischen Verpackungsmaterialien und pharmazeutischen Produkten untersucht. Beispielsweise wird geprüft, ob Glasverpackungen für Injektionslösungen unerwünschte Metallionen abgeben oder ob Kunststoffbehälter für flüssige Medikamente

Analytische Methoden zur Migrationsprüfung
Zur präzisen Untersuchung von Migrationen aus Verpackungsmaterialien in verschiedene Produkte werden moderne und hochentwickelte analytische Methoden eingesetzt. Diese Verfahren ermöglichen eine detaillierte Identifikation und Quantifizierung von Substanzen, die unter bestimmten Bedingungen aus den Materialien in das Produkt übertreten können.
GC-MS/MS (Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie):
Diese Methode kombiniert die Trennung von Substanzen mittels Gaschromatographie mit der hochpräzisen Identifikation durch Massenspektrometrie. Sie eignet sich besonders gut für die Analyse flüchtiger und semi-flüchtiger Verbindungen, wie z. B. Lösungsmittelrückstände oder flüchtige organische Substanzen, die aus Verpackungen migrieren können.
LC-MS/MS (Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie):
Die LC-MS/MS-Technologie bietet eine hochsensitive Methode zur Trennung und Analyse von nicht-flüchtigen Substanzen, die in Lösung vorliegen. Diese Technik wird häufig zur Analyse von komplexen Migrationen verwendet, die z. B. aus Kunststoffen, Beschichtungen oder Druckfarben stammen, und ermöglicht die genaue Bestimmung der Migration von Additiven oder anderen Chemikalien.
LC-TOF (Flüssigchromatographie mit Flugzeitmassenspektrometrie):
Die LC-TOF-Technik nutzt eine Flüssigchromatographie zur Trennung der Substanzen, gefolgt von einer Flugzeitmassenspektrometrie zur präzisen Analyse der Molekulargewichte und Strukturen der migrierten Verbindungen. Diese Methode ermöglicht eine detaillierte Untersuchung unbekannter oder unerforschter Stoffe, die während der Migration auftreten können.
ICP-MS (Induktiv gekoppeltes Plasma-Massenspektrometrie):
Die ICP-MS-Technologie ist eine fortschrittliche Methode zur Analyse von Metallen und Spurenelementen. Sie wird insbesondere für die Bestimmung von Migrationen metallischer Substanzen, wie Schwermetallen, aus Verpackungsmaterialien in Lebensmittel oder andere Produkte eingesetzt. Diese Methode gewährleistet eine extrem hohe Empfindlichkeit, um selbst geringste Mengen von Metallionen nachzuweisen und die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte zu überprüfen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen
Die Migrationsprüfung basiert auf gesetzlichen Vorschriften, um die Sicherheit von Verpackungen zu gewährleisten. Relevante Verordnungen sind:
- (EG) Nr. 1935/2004 – allgemeiner Rahmen für Lebensmittelkontaktmaterialien
- Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 – spezifische Anforderungen an Kunststoffe
- Recyclingverordnung (EU) Nr. 282/2008 – Bestimmungen für recycelte Materialien
- Verordnung (EU) Nr. 450/2009 – Anforderungen an aktive Verpackungen
Probenlogistik und Durchführung
Die Probennahme spielt eine entscheidende Rolle bei der Durchführung von Migrationsprüfungen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse zuverlässig und aussagekräftig sind. Dieser Prozess umfasst mehrere Schritte, die präzise und sorgfältig ausgeführt werden müssen, um die Integrität der Proben zu wahren und eine exakte Analyse zu ermöglichen.
Die Entnahme von Proben erfolgt gemäß festgelegten Vorgaben, die sowohl die Anzahl als auch die Art der zu entnehmenden Proben bestimmen. Gerne beraten wir Sie umfassend oder übernehmen die gesamte Probenlogistik für Sie.