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Vermeidung und Nachweis von Mikroplastik in Lebensmitteln

Mikroplastik
20. Apr. 2026

In den letzten Jahren sind Mikroplastikpartikel in der Umwelt, in alltäglichen Bedarfsgegenständen sowie in  Lebensmitteln und Trinkwasser sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in öffentlichen Debatten zu einem zentralen Thema geworden. Den Begriff „Mikroplastik“ gibt es offiziell seit 2004; seit ungefähr 2010 gibt es den Nachweis von Mikroplastik im menschlichen Körper und anderen Organismen.

Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Mikroplastik nicht nur ein Umweltproblem ist, sondern zunehmend als relevantes Thema der Lebensmittelsicherheit wahrgenommen wird, das weitere Forschung, Risikobewertungen und regulatorische Maßnahmen erfordert.

Was ist Mikroplastik und wie gelangt es in die Umwelt?

Das Auftreten von Mikroplastik steht im engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Kunststoffproduktion. Seit den 1950er-Jahren, als die industrielle Massenproduktion begann (ca. 2 Millionen Tonnen pro Jahr), ist die weltweite Produktion heute auf über 400 Millionen Tonnen jährlich angestiegen. Die meisten Kunststoffe basieren auf Erdöl und sind äußerst langlebig, wodurch sie sich in der Umwelt nur sehr langsam abbauen. Auch neue, auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Kunststoffe tragen zur Problematik bei, da ihr Abbau unter natürlichen Bedingungen häufig ebenfalls sehr lange dauert.

Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) bestehen Mikroplastikpartikel aus festen Polymerpartikeln, die mit Additiven vermischt sein können. Dazu können auch Partikel aus beliebigen Materialien gehören, die mit einem Polymer beschichtet sind. Ein Material gilt als Mikroplastik, wenn mindestens 1 Gewichtsprozent seiner Partikel Abmessungen zwischen 1 µm und 5 mm oder, im Falle von Fasern, zwischen 3 µm und 15 mm aufweisen. Eine international anerkannte Definition gibt es noch nicht.

In die Umwelt und letztlich in den Menschen gelangt Mikroplastik auf unterschiedlichen Wegen:

  • Primäres Mikroplastik, das gezielt hergestellt wird oder direkt entsteht, etwa synthetische Textilfasern oder früher auch durch Kosmetika
  • Sekundäres Mikroplastik, das durch den Zerfall größerer Kunststoffprodukte (wie Verpackungen, Folien oder Flaschen) und durch Reifenabrieb (1 kg/Reifen, 500.000 Tonne Jahr) entsteht

Häufig nachgewiesene Kunststoffarten sind Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) und Polystyrol. Als größter Verursacher von Mikroplastik gilt der Reifenabrieb, gefolgt von synthetischen Textilien und dem Zerfall von Kunststoffabfällen.

Wie gelangt Mikroplastik in Lebensmittel?

Die Verunreinigung des Nahrungsnetzes durch Mikroplastik hat mehrere Ursachen:

  • Umweltkontamination: Mikroplastik gelangt während des Anbaus oder der Produktion über Boden und Wasser in die Lebensmittel
    Kontamination während der Lebensmittelverarbeitung durch z.B. Lagerbedingungen oder Verarbeitungsanlagen
  • Übertragung entlang der Nahrungskette: Mikroplastik kann z.B. von Meeresorganismen oder Nutztieren aufgenommen und anschließend an den Menschen weitergegeben werden
  • Migration aus Verpackungen: Mikroplastikpartikel aus Lebensmittelverpackungen können direkt in die Lebensmittel gelangen

Zu Bedenken gibt die Tatsache, dass die Ozeane immer stärker verschmutzt sind, weil das Makroplastik (z.B. Verpackungen) dort zu Mikroplastik abgebaut wird. Meeresorganismen nehmen ihre Nährstoffe über Filtration auf, sodass Fisch und Meeresfrüchte als Nahrungsmittel besonders im Fokus von Mikroplastikanalysen stehen.

Lebensmittel vom Land können ebenfalls mit Mikroplastik belastet sein. Mikroplastik wurde unter anderem in Meersalz (Mahlwerke aus Plastik), Honig, Bier (z.B. durch schlecht gereinigte Flaschen), sowie in Obst und Gemüse nachgewiesen. Verpackungen, Verarbeitungsmaschinen, Förderbänder und Kunststoffutensilien während der Herstellung und Lagerung von Lebensmitteln stellen die größten Kontaminationsquellen dar.

Wie und wodurch kann Mikroplastik noch aufgenommen werden?

Durch den Abrieb von Autoreifen, synthetischen Textilien (z. B. beim Tragen oder Waschen von Polyesterkleidung oder Gesichtsmasken) und durch Staub in Innenräumen gelangen Mikro- und Nanoplastikpartikel in die Luft und können eingeatmet werden. Nanoplastikpartikel sind extrem kleine Kunststoffpartikel im Nanometerbereich, in der Regel kleiner als 1 Mikrometer (µm) und häufig sogar unter 100 Nanometern (nm). Sie entstehen meist durch den weiteren Zerfall von Mikroplastik. Aufgrund ihrer sehr geringen Größe sind sie mit bloßem Auge nicht sichtbar.

Küchenutensilien wie Kunststoff-Schneidbretter, Pfannenwender oder Aufbewahrungsbehälter tragen zur punktuellen Belastung durch Mikroplastik bei, da durch Schneiden, Erhitzen oder mechanischen Abrieb feine Kunststoffpartikel freigesetzt werden können.

Ein weiterer Eintragspfad von Mikroplastik ist das Abwasser z.B. von Waschmaschinen. Auch Leitungswasser und Trinkwasser aus Flaschen können Mikroplastik enthalten. In diesem Fall wird es größtenteils durch Plastikrohre, Aufbereitungssysteme, Filtermaterialien sowie Kunststoffflaschen und -verschlüsse freigesetzt.

Kann Mikroplastik ins Gewebe und ins Blut übergehen?

Laut aktuellen Studien können kleine Partikel (Mikroplastik im unteren µ- Bereich) und Nanoplastik (eine Stufe kleiner) in menschliches Gewebe und sogar ins Blut übergehen. Spuren von Mikroplastik wurden bereits im Blut, in der Plazenta sowie im Lungen- und Darmgewebe nachgewiesen. Wie stark und mit welchen langfristigen Folgen dies geschieht, ist jedoch noch Forschungsgegenstand.

Welche gesundheitlichen Bedenken gibt es?

Die Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die menschliche Gesundheit sind komplex und noch nicht vollständig geklärt, da ihre Eigenschaften von zahlreichen Faktoren wie der Art des Polymers, der Partikelgröße, der Form und der Bildung einer Biokorona abhängen, was die Risikobewertung erschwert.

Experimentelle Studien haben gezeigt, dass diese Partikel biologische Barrieren in Lunge und Darm überwinden können, was Bedenken hinsichtlich ihrer möglichen Verteilung im Körper aufkommen lässt. Frühe klinische Befunde deuten auf mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen hin, darunter Auswirkungen auf das Immunsystem sowie auf die Fortpflanzungs- und Herz-Kreislauf-Funktionen. Diese Studien sind jedoch aufgrund kleiner Stichprobengrößen und unzureichender Expositionsdaten noch begrenzt. Ergebnisse aus Tier- und Zellstudien stützen diese vorläufigen Beobachtungen weitgehend.

Um die Risiken für den Menschen besser zu verstehen und umfassende Risikobewertungen zu ermöglichen, sind fortschrittlichere Methoden sowie Langzeitstudien notwendig. Institutionen wie die WHO, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weisen auf weiteren Forschungsbedarf hin.

Wie vermeidet man Mikroplastik im Essen?

Mikroplastik im Essen lässt sich derzeit nicht vollständig vermeiden. Meeresfrüchte (vor allem Muscheln und Garnelen), Fisch aus stark belasteten Gewässern, Trinkwasser in Mehrwegflaschen und abgepackte Getränke sowie stark verarbeitete und verpackte Lebensmittel gelten als vergleichsweise höher belastet, da Mikroplastik entweder direkt aufgenommen oder durch Verarbeitung und Verpackung übertragen wird.

Aktuell gibt es für Verbraucher unter anderem folgende Vorbeugemaßnahmen:

  • Leitungswasser mit geprüften Filtersystemen nutzen
  • Lebensmittel in Glas, Metall oder Papier konsumieren
  • Plastikverpackungen (insbesondere bei fetthaltigen oder heißen Speisen) meiden
  • Einwegkunststoffe bewusst reduzieren
  • Lebensmittel nicht in Kunststoffbehältern erhitzen
  • Frische und unverarbeitete Lebensmittel kaufen

Welche Maßnahmen und Verordnungen gibt es, um Mikroplastik in Lebensmitteln einzudämmen?

Die Regulierung von Mikroplastik in Lebensmitteln innerhalb der EU entwickelt sich stetig weiter und befasst sich sowohl mit absichtlichen als auch mit unbeabsichtigten Quellen. Mit der REACH-Verordnung (EU) 2023/2055 wurden Beschränkungen für absichtlich zugesetzte Mikroplastikpartikel eingeführt. Während dies in erster Linie Produkte wie Kosmetika und Reinigungsmittel betrifft, gelten für Lebensmittelzusatzstoffe bestimmte Ausnahmen. Darüber hinaus wird die unbeabsichtigte Kontamination (insbesondere durch Lebensmittelkontaktmaterialien) zunehmend reguliert.

Die seit dem 16. März 2025 geltende Verordnung (EU) 2025/351 aktualisiert die Verordnung (EU) 10/2011 und legt einen stärkeren Schwerpunkt auf Kunststoffe, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, einschließlich neuer Kennzeichnungsanforderungen für wiederverwendbare Kunststoffprodukte, wie z. B. Gebrauchsanweisungen und Warnhinweise für den Fall einer Materialzersetzung.

An erster Stelle trägt die Industrie Verantwortung für die Eindämmung von Mikroplastik, etwa durch Einsatz nachhaltigerer Verpackungsmaterialien, verbesserte Recyclingstrategien, optimierte Produktionsprozesse sowie strenge Qualitäts- und Hygienekontrollen bzw. eine moderne Entwicklung von Reifentechnologien. Dabei spielt die Überprüfung der Produktionskette durch regelmäßigen Laboranalysen für die Lokalisierung und nachfolgende Beseitigung möglicher Kontaminationsquellen eine zentrale Rolle. Spezialisierte Labore liefern mit modernen Nachweis- und Monitoringmethoden belastbare Daten zu Mikroplastik in Wasser, Rohstoffen und Lebensmitteln und schaffen so die wissenschaftliche Grundlage für Risikobewertungen, Regulierung und präventive Maßnahmen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird eine wissenschaftliche Bewertung der potenziellen Gesundheitsrisiken von Mikroplastik in Lebensmitteln, Trinkwasser und Luft erstellen, deren Veröffentlichung bis Ende 2027 erwartet wird. Im Jahr 2025 brachte die EFSA bereits Ergebnisse zur Freisetzung von Mikro- und Nanokunststoffen aus Materialien mit Lebensmittelkontakt heraus. Ergänzend hat die WHO in den Jahren 2022 und 20024 Leitlinien zur Trinkwasserqualität veröffentlicht.

Wie wird Mikroplastik in Lebensmitteln nachgewiesen?

Die Analyse von Mikroplastik in Lebensmitteln ist mit erheblichen analytischen Herausforderungen verbunden, da die Partikel extrem klein sind und in einer großen Vielfalt von Materialtypen, Formen und Größen auftreten. Hinzu kommen komplexe Lebensmittelmatrizes mit hohem Fett-, Protein- oder Wassergehalt, die eine aufwändige Probenvorbereitung erfordern und das Risiko von Kontaminationen während der Analyse erhöhen. Um Mikroplastik zu bestimmen, kommen spezialisierte analytische Verfahren zum Einsatz. Diese können sein:

  • Optische und elektronenmikroskopische Methoden zur Partikelzählung und Morphologie
  • Spektroskopische Verfahren (optische Verfahren mit zusätzlicher qualitativen Bestimmung) wie FTIR- und Raman-Spektroskopie zur
  • Identifikation der Polymerarten
  • Thermoanalytische Methoden wie Pyrolyse-GC/MS, die eine quantitative Bestimmung der Kunststoffarten ermöglichen

Spezialisierte Labore wie die der Tentamus Group verfügen über die notwendige Expertise, Infrastruktur und validierte Methoden, um Mikroplastik vor allem in Wasser und Migranten zuverlässig nachzuweisen. Außerdem unterstützen wir Unternehmen rund um die Themen Qualitätskontrolle, Risikobewertung und regulatorische Vorbereitung.

Ausblick

Aktuell gibt es Hinweise, dass Mikro- und Nanoplastik in die Nahrungskette gelangen, obwohl die Datenlage insbesondere für Nicht-Meeresfrüchteprodukte und verarbeitete Lebensmittel noch gering ist. Um die genauen Quellen dieser Partikel in Lebensmitteln zu ermitteln, sind sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, die alle möglichen Ursprünge berücksichtigen - einschließlich der Kontamination von Rohstoffen und Verarbeitungsanlagen.

Gleichzeitig besteht ein dringender Bedarf an internationalen Kooperationen und einer Standardisierung der Analysemethoden, um zuverlässige und vergleichbare Daten zu gewinnen. Zukünftige Vorschriften könnten daher Migrationstests für Mikro- und Nanokunststoffe aus Materialien mit Lebensmittelkontakt vorschreiben.

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