Was ist HPLC?
Die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) ist eine moderne analytische Methode, mit der sich einzelne Bestandteile eines flüssigen Stoffgemisches präzise trennen, identifizieren und quantifizieren lassen. Sie zählt zu den wichtigsten Verfahren in der analytischen Chemie und wird überall dort eingesetzt, wo nicht-flüchtige, thermolabile oder komplexe Substanzen analysiert werden müssen – beispielsweise in der Lebensmittel-, Kosmetik-, Pharma- oder Umweltanalytik.
Anders als bei gasförmigen Trennverfahren arbeitet die HPLC mit einer flüssigen mobilen Phase, die unter hohem Druck durch eine Trennsäule gepumpt wird. Innerhalb der Säule interagieren die Moleküle der Probe mit der stationären Phase, was zu einer zeitlich gestaffelten Trennung der einzelnen Analyten führt. Das Ergebnis ist ein Chromatogramm, aus dem sich sowohl die Art als auch die Menge der enthaltenen Verbindungen ablesen lassen.
Wie funktioniert die HPLC?
Bei der HPLC durchläuft die Probe mehrere klar definierte Schritte, die alle exakt aufeinander abgestimmt sein müssen, um reproduzierbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.
Zunächst wird die Probe vorbereitet. Je nach Matrix kann dies bedeuten, dass sie gefiltert, verdünnt oder aufkonzentriert wird. Verunreinigungen werden entfernt, die die Trennsäule beschädigen oder die Analyse verfälschen könnten.
Anschließend wird die vorbereitete Probe mithilfe eines Injektors in den kontinuierlichen Strom der mobilen Phase (Eluent) eingespeist. Dieser Eluent wird durch eine oder mehrere Pumpen mit hohem Druck – typischerweise zwischen 50 und 400 bar – durch die stationäre Phase innerhalb der Trennsäule befördert.
Die stationäre Phase ist auf einem festen Trägermaterial (z. B. Kieselgel) gebunden. Je nach Zusammensetzung und Oberflächenchemie dieser Phase ergeben sich spezifische Wechselwirkungen mit den Analyten, etwa aufgrund ihrer Polarität, Größe oder chemischen Struktur. Substanzen, die stärker mit der stationären Phase wechselwirken, bewegen sich langsamer durch die Säule; weniger affine Moleküle werden schneller transportiert.
Diese unterschiedlichen Retentionszeiten sorgen dafür, dass die einzelnen Stoffe zeitlich voneinander getrennt am Säulenausgang erscheinen. Dort registriert ein Detektor das Eintreffen jeder Substanz und wandelt es in ein elektrisches Signal um, das als Peak im Chromatogramm dargestellt wird.
Aufbau eines HPLC-Systems
Ein HPLC-System ist ein modulares System, dass je nach Bedarf an die Eigenschaften der zu untersuchenden Stoffgemische angepasst wird.
Pumpe: sorgt für den kontinuierlichen Fluss der mobilen Phase durch die Trennsäule und muss einen konstanten Druck liefern, um reproduzierbare Retentionszeiten zu gewährleisten.
Injektor: bringt eine exakt definierte Menge der Probe in das System ein, ohne den Fluss zu unterbrechen.
Trennsäule: ist mit einem feinkörnigen, porösen Material gefüllt, dessen Oberfläche mit der stationären Phase beschichtet ist. Die Auswahl der Säule (Länge, Innendurchmesser, Partikelgröße und Art der stationären Phase) ist entscheidend für die Qualität der Trennung.
Detektor: erfasst die austretenden Analyten. Am häufigsten kommen UV/VIS-Detektoren zum Einsatz, daneben auch Fluoreszenz-, Brechungsindex- oder Massenspektrometer.
Datenverarbeitungseinheit: Stellt die Signale des Detektors schließlich grafisch in einem Chromatogramm dar. Die Auswertung erfolgt mit einer Software.

Phasen in der HPLC und ihre Unterschiede
Die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie trennt Stoffgemische aufgrund der unterschiedlichen Wechselwirkungen der enthaltenen Analyten mit zwei Phasen: der mobilen Phase (Eluent) und der stationären Phase (Material in der Trennsäule).
Wie stark ein Molekül mit der stationären Phase interagiert, bestimmt maßgeblich seine Retentionszeit – also die Zeit, die es benötigt, um die Trennsäule zu durchlaufen. Die gezielte Auswahl und Abstimmung dieser Phasen sind entscheidend für die Qualität und Aussagekraft einer Analyse.
Die mobile Phase: der Eluent
Die mobile Phase ist eine Flüssigkeit, die die gelöste Probe durch die Säule transportiert. Sie besteht in der Regel aus Wasser und organischen Lösungsmitteln wie Methanol, Acetonitril oder Isopropanol. Die Wahl der Komponenten und deren Mischungsverhältnis sind auf die chemischen Eigenschaften der zu trennenden Substanzen abgestimmt.
Wichtige Einflussfaktoren:
- Polarität des Eluenten: Entscheidet darüber, wie stark polare oder unpolare Moleküle mit der stationären Phase wechselwirken.
- pH-Wert: Besonders wichtig bei ionisierbaren Verbindungen; er beeinflusst deren Ladungszustand und damit die Wechselwirkung.
- Zusatzstoffe (Additive): Puffer, Salze oder Modifikatoren können die Trennung verbessern, Peakformen optimieren oder eine bestimmte Ionisationsform stabilisieren.
Bei der isokratischen Elution bleibt die Zusammensetzung des Eluenten während der gesamten Analyse konstant, was insbesondere bei einfachen Trennungen mit ähnlichen Retentionszeiten geeignet ist.
Im Gegensatz dazu verändert sich bei der Gradientenelution die Zusammensetzung des Eluenten im Verlauf der Analyse, beispielsweise durch einen zunehmenden Anteil an organischem Lösungsmittel, um stärker gebundene Analyten schneller zu eluieren und komplexe Gemische effizienter zu trennen.
Die mobile Phase muss von hoher Reinheit sein (HPLC-Grade), um keine störenden Signale im Chromatogramm zu erzeugen.
Die stationäre Phase: das Innere der Trennsäule
Die stationäre Phase ist das Material, das im Inneren der Trennsäule die eigentliche Trennung bewirkt. Sie besteht meist aus feinkörnigem Kieselgel mit exakt definierter Partikelgröße (typischerweise 3–5 µm, bei UHPLC sogar <2 µm). Die Oberfläche ist chemisch modifiziert, um gezielte Wechselwirkungen mit den Analyten zu ermöglichen.
Hauptarten der stationären Phase in der HPLC:
- Normalphase: Polar beschichtetes Kieselgel; trennt Moleküle nach Polarität. Polare Analyten werden länger zurückgehalten, unpolare eluieren schneller.
- Umkehrphase (Reversed Phase): Unpolare Beschichtung (z. B. C18-, C8- oder Phenylgruppen). Die mobile Phase ist polar, wodurch unpolare Substanzen länger in der Säule verweilen. Dieser Modus ist heute am gebräuchlichsten.
- Ionenaustausch-Chromatographie: Die Oberfläche trägt geladene Gruppen, die mit entgegengesetzt geladenen Analyten wechselwirken.
- Größenausschlusschromatographie (SEC): Trennt nach Molekülgröße; große Moleküle passieren die Säule schneller, kleine werden in den Poren zurückgehalten.
Einfluss von Länge, Durchmesser und Partikelgröße
Physikalische Parameter der Säule, die die Trennleistung beeinflussen:
- Säulenlänge: Längere Säulen verbessern die Auflösung, erhöhen aber die Analysezeit.
- Innendurchmesser (ID): Kleinere Durchmesser liefern schärfere Peaks, erfordern jedoch präzisere Flussratenkontrolle.
- Partikelgröße: Kleinere Partikel erhöhen die Oberfläche und verbessern die Trennung, führen aber zu höherem Gegendruck.
- Porengröße: Besonders relevant bei der Trennung großer Moleküle wie Proteine.
Zusammenspiel von mobiler und stationärer Phase
Das zentrale Prinzip der HPLC beruht auf der Verteilungschromatographie: Die Analyten verteilen sich in einem Gleichgewichtszustand zwischen der mobilen und der stationären Phase. Je stärker ein Molekül mit der stationären Phase interagiert – etwa durch Hydrophobie, Polarität, ionische Bindungen oder Van-der-Waals-Kräfte – desto länger verweilt es in der Säule.
Die optimale Trennung wird erreicht, wenn mobile und stationäre Phase so aufeinander abgestimmt sind, dass sich die Unterschiede im Wechselwirkungsverhalten der einzelnen Substanzen maximal auswirken. Parameter wie Flussrate, Temperatur und Eluenten-Zusammensetzung müssen hierfür präzise eingestellt werden.
Detektoren in der HPLC
Detektoren sind entscheidend, um die getrennten Substanzen sichtbar zu machen.
Der UV/VIS-Detektor misst die Lichtabsorption der austretenden Substanzen bei bestimmten Wellenlängen und ist universell für viele organische Moleküle einsetzbar. Der Fluoreszenzdetektor bietet eine noch höhere Empfindlichkeit für fluoreszierende Stoffe, während der Brechungsindexdetektor (RI) auch Substanzen erfassen kann, die kein UV-Licht absorbieren.
Für höchste Spezifität wird die HPLC häufig mit einem Massenspektrometer kombiniert. Die so entstandene HPLC-MS-Kopplung ermöglicht die eindeutige Identifizierung und Strukturaufklärung unbekannter Verbindungen, selbst in komplexen Matrizes.
Auswertung der HPLC-Analyse mittels Chromatogramm
Das Chromatogramm ist das zentrale Ergebnis einer HPLC-Analyse. Auf der X-Achse wird die Zeit dargestellt, auf der Y-Achse die Signalintensität des Detektors. Jeder Peak steht für eine einzelne Substanz.
Die Retentionszeit ist charakteristisch für einen bestimmten Analyt und beschreibt die Zeit, die ein Molekül zum Durchwandern der Säule benötigt. Sie erlaubt in Verbindung mit Referenzstandards die Identifizierung der Moleküle: gleiche Retentionszeit wie im Standard bedeutet gleiches Molekül. Moleküle können nur in Relation zu einem Standard identifiziert werden.
Die Höhe oder Fläche des Peaks ist proportional zur Konzentration der Substanz. Eine symmetrische Peakform ist wichtig für die Genauigkeit der Analyse; asymmetrische oder überlappende Peaks können auf unzureichende Trennung, Überladung oder Probleme mit der Säule hinweisen.
Anwendungsbereiche in der Analytik
Die HPLC ist ein universell einsetzbares Analyseverfahren mit einem breiten Anwendungsspektrum.
Qualitative Analysen dienen der Identifizierung der Inhaltsstoffe einer Probe. Beispiele sind der Nachweis von Pestizidrückständen in Lebensmitteln, die Authentizitätsprüfung von Naturstoffen wie ätherischen Ölen oder die Identifikation von Konservierungsmitteln in Kosmetika.
Quantitative Analysen bestimmen den exakten Gehalt einer Substanz. Typische Anwendungen sind die Gehaltsbestimmung von Vitaminen und Süßstoffen in Lebensmitteln, die Bestimmung von Wirkstoffgehalten in pharmazeutischen Produkten oder die Analyse von Zusatzstoffen in Getränken.
Durch die Kopplung mit Massenspektrometern lassen sich auch unbekannte Substanzen in komplexen Matrizes eindeutig identifizieren.
HPLC bei Tentamus : Präzision durch langjährige Expertise
Unsere Labore innerhalb des internationalen Tentamus-Netzwerks arbeiten mit modernsten HPLC- und UHPLC-Systemen, um Ihre Proben präzise und zuverlässig zu analysieren. Wir bieten sowohl qualitative als auch quantitative Analysen und entwickeln für jede Fragestellung eine maßgeschneiderte Methode.
Neben der Durchführung der Analysen unterstützen wir Sie auch bei der Auswahl der geeigneten Trennsäule, der Optimierung der Eluenten-Zusammensetzung und der Auswertung der Ergebnisse. Unsere Labore sind nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert und erfüllen höchste Qualitätsstandards.
Unsere Expertenteams unterstützen Sie bei:
- Auswahl geeigneter Methoden für Ihre HPLC-Analyse
- Durchführung qualitativer und quantitativer Analysen
- Rückstandsanalytik, Authentizitätsprüfung und Zusammensetzung
- Validierung und Dokumentation für gesetzliche Anforderungen
Sie möchten mehr über unsere Leistungen in der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie erfahren oder eine Analyse beauftragen?
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur HPLC
Wie lange dauert eine HPLC?
Je nach Methode dauert die reine Analyse zwischen wenigen Minuten und etwa einer Stunde. Gradientmethoden benötigen in der Regel etwas mehr Zeit als isokratische. Allerdings stehen die Ergebnisse nicht sofort zur Verfügung. Zusätzlich muss die Zeit für Probenregistrierung, Probenvorbereitung und Auswertung berücksichtigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen HPLC und LC?
LC (Liquid Chromatography) ist der Oberbegriff für alle Flüssigchromatographie-Verfahren. HPLC ist eine spezielle Form davon, bei der unter hohem Druck und mit feinkörnigem Säulenmaterial gearbeitet wird, um eine höhere Trennleistung zu erzielen. HPLC bietet dadurch schnellere, präzisere und reproduzierbarere Analysen als klassische LC.
Was ist UHPLC?
Die Ultra-Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (UHPLC) wird eingesetzt, wenn höchste Trennschärfe und sehr kurze Analysezeiten erforderlich sind. Durch kleinere Partikel (< 2 µm) und höheren Druck trennt sie auch sehr ähnliche Substanzen sauberer als klassische HPLC. Sie eignet sich besonders für komplexe Proben, geringe Probenmengen und zeitkritische Analysen.
Wann verwendet man HPLC und wann GC?
HPLC ist ideal für nicht-flüchtige, thermisch instabile oder hochmolekulare Verbindungen, GC dagegen für flüchtige und hitzestabile Substanzen.
Warum ist HPLC oft mit MS gekoppelt?
Die Kopplung mit der Massenspektrometrie ermöglicht eine eindeutige Identifizierung bei unbekannten Stoffgemischen. Durch die HPLC wird ein Stoffgemisch aufgetrennt und in Chargen der einzelnen enthaltenen Stoffe zerlegt. In der angeschlossenen MS können diese reinen, aber unbekannten Stoffchargen dann identifiziert werden.
Was ist SEC-HPLC?
SEC-HPLC (Size Exclusion Chromatography, deutsch: Größenausschlusschromatographie) ist eine Form der HPLC, bei der Moleküle nach ihrer Größe getrennt werden. Große Moleküle passieren die Poren der stationären Phase schneller, kleinere dringen tiefer ein und werden verzögert. Sie wird häufig zur Analyse von Proteinen, Enzymen oder Polymeren eingesetzt.
Was kostet eine HPLC-Analyse?
Die Kosten hängen von der Analysetiefe, der Probenmatrix und der eingesetzten Detektionsmethode ab.
Was ist der Unterschied zwischen internem und externem Standard?
Ein interner Standard wird direkt der Probe zugesetzt, ein externer separat gemessen; beide dienen der Quantifizierung des zu analysierenden Stoffgemischs.
Welche Faktoren beeinflussen die Trennleistung in der HPLC?
Die Trennleistung in der HPLC wird vor allem von der Wahl der stationären Phase (Chemie, Partikelgröße, Säulenlänge, Porengröße) und der mobilen Phase (Zusammensetzung, Polarität, pH-Wert) beeinflusst. Auch Flussrate, Temperatur und der Elutionsmodus (isokratisch oder Gradient) spielen eine wichtige Rolle. Für optimale Ergebnisse müssen alle Parameter auf die chemischen Eigenschaften der Analyten abgestimmt werden.
Was ist der Kapazitätsfaktor in der HPLC?
Der Kapazitätsfaktor (auch Retentionsfaktor, k) ist eine wichtige Kenngröße in der HPLC, die beschreibt, wie lange ein Analyt in der stationären Phase im Verhältnis zur mobilen Phase verweilt. Er wird aus der Differenz zwischen der Retentionszeit des Analyten (tR) und der Totzeit (t0, Zeit der nicht von der Säule zurückgehaltenen Substanzen) berechnet und anschließend durch t0 geteilt. Ein hoher Kapazitätsfaktor bedeutet, dass der Analyt lange in der stationären Phase interagiert, ein niedriger Wert zeigt eine schnelle Elution an. Optimale Werte liegen meist zwischen 1 und 10, da zu kleine Werte auf eine unzureichende Trennung und zu große Werte auf sehr lange Analysezeiten hinweisen können. Der Kapazitätsfaktor ist unabhängig von der Flussrate und daher ein stabiler Parameter zur Methodenentwicklung und Vergleichbarkeit von Analysen. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Optimierung von Trennleistung und Laufzeit in der HPLC.
Das könnte Sie auch interessieren
- Gaschromatographie (GC)
- GC-MS
- LC-GC